Bereit für den Winterschlaf

Als wir im Herbst das Boot aus dem Wasser geholt haben, haben wir es nach Tarmstedt gebracht. Im Garten von Linos Eltern sollte sie den Winterschlaf halten.

Die Diagnose ist Osmose

Da entdeckten wir einige Blasen im Unterwasserschiff die etwas sauer schmeckten. Also Osmose, nicht viel, aber da. Für fachlichen Rat haben wir dann unseren Freund den Bootsbaumeister Ralf Weise gefragt, was wir nun machen sollen. Er riet uns zum kompletten Neuaufbau. Das heißt: altes Antifouling und Gelcoat runter, dann 500 my Epoxy, dann Primer und neues Antifouling.

Also wartet ein Haufen Arbeit auf uns. Aber die macht man ja hoffentlich nur einmal im Leben. Grob geschätzt hat das alles 900 € gekostet. Wir sind zwar keine Fachkräfte, haben aber beide etwas handwerkliches Geschick. Ich schreib mal auf, wie ich das geplant und gemacht habe, mit praktischen Tipps und Tricks.

Fleißiges Schleifen mit Schutzausrüstung

Frisch ans Werk – Der Plan

Advanced Chemistry

Das ist der Plan:

  1. Ein Schicht Epoxy klar

  2. dann Spachteln und schleifen

  3. dann weitere Schichten Epoxy bis 500 µm

  4. Dann schleifen

  5. Primer und Haftvermittler

  6. dann Antifouling

  7. Wasserpass

Unser Fitnessprogramm

Für den Neuaufbau des Unterwasserschiffs konnten wir einen Platz gleich neben meinem Büro nutzen. Das ist enorm praktisch, man kann mal eben was machen und hat eine Werkstatt nebenan.

Bereit für die erste Lage
Gelb und Rot als Paste zum Einfärben

Rühren, Rollen und Schleifen

Zum korrekten Anmischen haben wir diese Dosierpumpen mitbestellt. Epoxidharz und Härter möchten genau dosiert werden.

Wir haben die Aufgabe 10 Kilo Epoxidharz auf das Boot zu bringen. Es gilt eine Schichtstärke von 500 my zu erreichen, das sind ca 14 Schichten. Die erste Lage haben wir bei 14° gemacht. Zum Abend wurde es schnell kalt und es dauerte fast eine Woche, bis das Harz klebfrei war. Das habe ich dann angeschliffen und eine weitere Schicht aufgebracht. Ich habe immer 20 Hübe angesetzt, das sind ca 250g. Für das ganze Unterwasserschiff habe ich jeweils drei Ladungen gebraucht. Ich habe das Harz jeweils mit Pigmentpaste eingefärbt, das hilft den Überblick zu behalten.

Gelb und Rot als Paste zum Einfärben
Zwei Velour-Rollen für 2,50 €

Als Harz haben wir das West-System genommen. Bis 18° mit schnellem Härter, darüber mit dem langsamen. Über 20° wird es auch schnell dünnflüssig. Als Rollen haben sich die Velour-Modelle von SVB bewährt, zwei Stück zu 2,50 €. Alles Andere vom Baumarkt lösen sich auf und hinterlassen Teile im Anstrich,die man wegschleifen muss.

So sieht ein einlaminierter Fussel aus.

Das „Zwischendurch-Schleifen“ ist schon wichtig. Der Hersteller empfhielt einen solchen, wenn mehr als zwölf Stunden vergangen sind. Das ist aber alles temperaturabhängig.

Zum Anmischen vom Spachtel ist ein kleines Sperrholzbrett ganz hilfreich.
Spachteln ist eine sehr meditative Täigkeit.
Viel hilft viel

Zum Schleifen haben wir eine kleine „Schleifmaus“ aus dem Baumarkt. Die ist nicht so schwer wie ein Exenterschleifer. Mir 80er Papier lassen sich Unebenheiten schnell beseitigen.

Dann gibt es noch den Multi-Schleifer mit Akku. Geht für rundes, rechteckiges und dreieckiges Schleifpapier.

Der Multischleifer mit Akku

Insgesamt haben wir zehn Schichten klares Epoxy aufgebracht. Nach der dritten Schicht wurde mit Epifanes 2K-Filler gespachtelt. Bei mehr als 12 Stunden zwischen den Lagen wurde vorher noch geschliffen.

Wenn das Epoxy ausgehärtet ist, sieht das so aus.

Kunstwerk aus Epoxy
hartgeworden

Eigentlich hat der Ansatz mit Härter 206 (der Langsame) eine Topfzeit von ca 25 Minuten (bei 18°). Das gilt aber nicht, wenn die Mischung wie hier in einer Dose ist. Da fängt es schon nach fünf Minuten an zu gelieren. Das steht auch alles im Kleingedruckten auf den Beipackzetteln.

Weitere Baustellen

Das WC mit neuem Fäkalientank

Das Klo hat jetzt einen Fäkalientank bekommen. Damit kann man gut sein Badewasser schützen. Dazu gibt es einen Extra-Wassertank.

Vorher-nachher

Statt der Dreifarbenlaterne gibt es jetzt ein LED-Ankerlicht

Der Bugkorb war ursprünglich mit einlaminierten M6-Muttern verschraubt. Das war alles lose und wir haben sie entfernt. Die Löcher haben wir gesäubert und mit angedicktem Epoxy verschlossen. Dann haben wir Niro-Einschraubmuttern eingesetzt. Und das Kabel für die Positionsleuchte läuft jetzt durchs Rohr.

Einschraubmuttern aus V4A, für den Bugkorb